An Every-Day-Chief Without a Chiefdom (selenden) wrote,
An Every-Day-Chief Without a Chiefdom
selenden

Kette

Ich hängte an die Wolken
eine gottgeweihte Kette.
Dank der jugendlichen Blindheit
fand ich meine Friedenstätte.
Trotz der Fülle von Erfolgen
wurde Falke schnell zum Strauß.
Und aus den Flügeln meiner Kindheit
wuchs ich irgendwann heraus.

Es war schrecklich überraschend,
als ich eines Tages wusste,
dass die süße Sorgenfreiheit
meine Welt verlassen musste.
Sowie sich mit kalten Aschen
ausgebrannte Funken legen,
stieß ich auf die harte Zweiheit
meines Offenbarungssegens.

Denn die Wahrheit, einst mein Lehrer,
fing gleich an, den Weg zu trüben.
Und je näher mir das Licht kam,
desto dunkler schien es drüben.
Sogar Freiheit wurde schwerer.
Vor mir lag die leere Strecke.
Ohne Zwänge oder Pflichten
fehlten ebenfalls die Zwecke.

Offenbar hat meine Treue
zu dem nebeligen Morgen
die unweigerliche Nacht
vor meinen Augen längst verborgen.
Nur da oben in der Bläue
wo die Seele sich enthüllt
und wo das Kind in mir noch lacht
wird mir der Lebenstraum erfüllt.

Früher gab es grüne Felder,
wo es nun ein Haufen wächst,
und wo wir Sorgen fallen lassen,
während Hoffnung uns verlässt.
Wir glauben, dass in Bälde
wir die gottgeweihten Ketten
dank des Haufens wieder fassen.
Wenn wir nur noch Flügel hätten...
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